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01.04.2010

Räuberische Gallmücken im Dienste des Umweltschutzes

Angenehme Wärme, hohe Luftfeuchtigkeit, viel Licht und ein etwas befremdlicher Geruch nach Humus empfängt einen beim Betreten der Gewächshäuser der Ausbildung im Agrarbereich des Bugenhagen Berufsbildungswerk (BBW) in Timmendorfer Strand.

Das Auge schweift über ein Meer aus Farben. Wasser tröpfelt und es fehlt nur das Gezwitscher exotischer Vögel, um die Illusion von Urlaub zu vervollständigen.
Doch weitgefehlt, die Idylle ist ein hochempfindlicher Kosmos, anfällig für Schädlinge und Parasiten.
Wie man dieser Problematik ökologisch verantwortungsbewusst begegnet, lernen die angehenden Werker im Gartenbau der Fachrichtung Blumen und Zierpflanzen im BBW. Was tun bei Schädlingsbefall? Welche Alternativen gibt es zum Einsatz von Chemie? Wie schone ich mich und meine Umwelt? All das sind Fragen, die sie während ihrer Ausbildung bearbeiten und konkret im Arbeitsalltag umsetzen.

 

Biologische Schädlingsbekämpfung ersetzt schädliche Chemie


Gesunde und kräftige Pflanzen stehen in Reih und Glied auf den Pflanztischen und das in der Regel ohne den Einsatz von Insektiziden. Dieses Resultat konnte durch die professionelle Pflanzenschutzberatung einer Spezialfirma für Nützlingseinsatz erreicht werden.
Alle Gewächshäuser wurden regelmäßig im Abstand von zwei Wochen besucht und kontrolliert. Nach der Durchsicht der Kulturen, wurden die entsprechenden Nützlinge ausgebracht. Für den erfolgreichen Nützlingseinsatz ist es außerordentlich wichtig, neben der strengen Beachtung von Maßnahmen zur Betriebshygiene, die Schädlinge so früh wie möglich zu entdecken und noch vor ihrer Ausbreitung zu bekämpfen.
Für die frühe Entdeckung der Schädlinge ist eine regelmäßige Kontrolle der Pflanzen notwendig. Zudem werden beleimte Gelb- und Blautafeln, an denen die Schädlinge hängen bleiben, in den Gewächshäusern aufgestellt.  

Getreidezuchten mit Blattlausbefall werden zu Verbündete

In allen Gewächshäusern werden Töpfe mit „Offener Getreidezucht“ aufgestellt. Es handelt sich dabei um große Töpfe mit Hafer- und Weizenpflanzen, befallen von Haferblattläusen und Getreideblattläusen. Nun werden dazu die Blattlausschlupfwespen, lateinisch Aphidius colemanii, Aphidius ervi und Praon volcure und die Räuberische Gallmücke, lateinisch Aphidoletes aphidimyza gesetzt. Die Nützlinge werden sich in diesen Töpfen gut vermehren und von dort aus ihre eigentlich Aufgabe übernehmen, nämlich als Task Force jeglichen Blattlausbefall bei den Zier- und Gemüsepflanzen sofort durch unbändigen Hunger auf Läuse zu bekämpfen. Die absichtlich herbeigeschafften Hafer- und Getreideblattläuse stellen keine Gefahr für die Kulturpflanzen in den Gewächshäusern dar, da sie sich nur an Getreidepflanzen vermehren.
Für die unterschiedlichsten Schädlinge finden sich immer wieder geeignete biologische Verbündete, die so helfen Mensch und Natur vor unnötigem Einsatz von Chemie zu bewahren.

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