„Hier gibt es kein Richtig oder Falsch!“

08. Oktober 2018

„Spannend!“ sagt einer der Ausstellungsbesucher über ein abstrakt gestaltetes Acrylbild. „Das würde ich mir sofort zuhause aufhängen!“ erklären gleich mehrere, während sie eine graffitiartige Darstellung in leuchtenden Farben betrachten. 

Zu hören waren diese Äußerungen in der ersten Ausstellung der Arbeitsgruppe Kreatives Gestalten des Bugenhagen BBW. Dieses ergotherapeutische Angebot stellt eine neue Fördermöglichkeit für Teilnehmende des Berufsbildungswerkes dar. „Wir wollten damit eine Lücke schließen“ erklärt Nicole Schenk, Leiterin der Reha-Fachdienste. „Viele herkömmliche Förderangebote basieren vorrangig auf dem Medium Sprache – aber das ist nicht für alle Teilnehmenden das Richtige.“ Sie hat hierbei insbesondere Menschen mit Störungsbildern wie Depressionen, Ängsten oder Traumata im Blick. Für diese erhofft sie sich durch das niedrigschwellige und handlungsorientierte Angebot insbesondere eine Verbesserung des Selbstbildes, der Selbstwirksamkeit sowie der Kontaktfähigkeit – zwecks erfolgreicher beruflicher und sozialer Teilhabe.

Dass das Konzept aufgeht, wird beim Betrachten der Kunstwerke und im Gespräch mit den stolzen Künstlern schnell klar – spätestens wenn einer der Ausstellenden über die „frohe Energie“ spricht, die das von ihm gefertigte Werk ausstrahle. Oder wenn andere davon berichten, wie sehr sie vom Austausch innerhalb der Gruppe profitieren konnten.  Die Erfahrung, etwas anzufertigen und anschließend ansehen bzw. anfassen zu können wurde von den Teilnehmenden ebenso als positiv hervorgehoben wie die Freude daran, sich beim Gestalten mit Papier, Acrylfarbe und Ton auch einfach einmal freien Lauf lassen zu können. Ergotherapeut Christian Tode bestätigt die Wichtigkeit eines Raumes, in dem sich die Teilnehmenden ohne Angst vor Kritik und (anders als im Kunstunterricht der Schulen) ohne Benotung ausprobieren können: „Für viele ist das eine neue Erfahrung. Nicht alles, woran gearbeitet wird, muss gleich nach etwas aussehen. Ich ermutige die Teilnehmenden dazu, auch einfach einmal Farben zu verwischen, herumzuklecksen, sich mit dem Gestaltungsmaterial auszuleben, neugierig auf Entdeckungen zu sein!“ In den Werken der jungen Künstler kommen dabei regelmäßig diejenigen Themen an die Oberfläche, die in ihrem Leben von besonderer Bedeutung sind.IMG 20180604 102434

Ergotherapeut Tode betont, dass es bei dem Angebot natürlich letzten Endes um den Transfer in den Alltag gehe.  So könne etwa das Erlebnis, sich in einer kleinen Gruppe von Menschen akzeptiert und sicher zu fühlen, als positives Grundgefühl mitgenommen werden. Ebenso lasse sich in der Gruppe ein entspannterer Umgang mit der eigenen Imperfektion erlernen, wovon anschließend auch im Arbeits- und Lebensalltag profitiert werden könne.